Dein Stundenlohn gehört in den Preis: So rechnest du deine Arbeitszeit ein
KI-modifiziertFrag auf einem Basar zehn Ausstellerinnen, was ihre Kerzen kosten, und du bekommst zehn Antworten. Frag sie, was sie pro Stunde verdienen, und du bekommst meistens ein Schulterzucken.
Das ist kein Vorwurf. Wer aus Freude bastelt, denkt nicht in Stundenlöhnen. Aber genau deshalb bleibt am Ende eines Markttags oft das Gefühl, viel gearbeitet und wenig davon gehabt zu haben.
In Preise kalkulieren für den Weihnachtsmarkt ging es um Material, Verpackung und Standgebühr. Hier kommt der Teil dazu, den fast alle weglassen: deine Zeit.
Erst messen, dann rechnen
Du kannst deine Arbeitszeit nur einrechnen, wenn du sie kennst. Und die meisten schätzen sie falsch, meistens zu niedrig.
Stopp deshalb beim nächsten Bastelabend die Zeit. Nicht für ein einzelnes Stück, sondern für eine ganze Runde. Wenn du in zwei Stunden 10 Kerzen-Sets fertig bekommst, sind das 12 Minuten pro Set. Diese Zahl brauchst du gleich.
Wichtig: Miss so, wie du wirklich arbeitest. Wenn du in Serie fertigst, also erst alle Gläser vorbereitest, dann alle gießt, wird die Zeit pro Stück deutlich kürzer. Wie das geht, steht in Serienfertigung am Küchentisch.
Welcher Stundenlohn ist fair?
Darauf gibt es keine richtige Antwort, nur eine ehrliche. Als Orientierung nehmen viele den gesetzlichen Mindestlohn, 2026 sind das 13,90 Euro pro Stunde. Wer mehr Erfahrung hat oder etwas kann, das nicht jeder kann, darf auch mehr ansetzen.
Wir rechnen im Beispiel mit 13,90 Euro. Bei 12 Minuten pro Kerzen-Set sind das:
12 Minuten = 0,2 Stunden × 13,90 € = 2,78 € Arbeitszeit pro Set
Das Beispiel komplett durchgerechnet
Du verkaufst Kerzen-Sets im Glas und rechnest für einen Markttag mit 100 verkauften Teilen über dein ganzes Sortiment.
- Material und Verpackung pro Set: 3,50 €
- Arbeitszeit pro Set: 2,78 €
- Standgebühr 60 € plus 15 € Sprit, verteilt auf 100 Teile: 0,75 €
Zusammen sind das 7,03 € pro Set. Darunter verlierst du Geld oder arbeitest unter dem Mindestlohn. Ein Verkaufspreis von 7,50 € deckt also alles, was du zu Hause in das Set gesteckt hast.
Der Teil, den wirklich niemand rechnet: der Markttag selbst
Jetzt wird es unbequem. Du stehst ja nicht nur am Küchentisch, sondern auch am Stand. Aufbau um 9, Verkauf bis 19 Uhr, danach Abbau. Das sind schnell zehn Stunden.
Zehn Stunden zu 13,90 € sind 139 €. Verteilt auf 100 verkaufte Teile kommen pro Stück noch einmal 1,39 € dazu. Dann liegt das Kerzen-Set bei 8,42 €, und ein Preis von 8,90 € wäre die ehrliche Zahl.
Hier musst du eine Entscheidung treffen, und die darfst du ganz bewusst treffen:
- Du rechnest den Markttag voll ein. Dann sind deine Preise höher als bei vielen Nachbarn. Das funktioniert, wenn deine Sachen besonders aussehen und gut präsentiert sind.
- Du rechnest ihn zur Hälfte ein. Ein guter Mittelweg für kleine Basare, auf denen die Leute kein Geld für Luxus ausgeben wollen.
- Du zählst den Markttag als Freizeit. Auch das ist in Ordnung, wenn dir das Stehen, Plaudern und die Stimmung wirklich Spaß machen. Dann aber mit Absicht und nicht aus Versehen.
Und wenn der Preis dann zu hoch wirkt?
Manchmal kommt am Ende ein Preis heraus, den auf deinem Markt wohl niemand zahlt. Dann hast du drei Stellschrauben, und keine davon heißt „einfach billiger machen“:
- Schneller werden. Oft steckt in einem einzigen Arbeitsschritt die meiste Zeit. Wer Anhänger druckt statt schreibt, spart pro Stück schnell zwei, drei Minuten.
- Günstiger einkaufen. Gläser, Wachs und Tüten im Großpack kosten pro Stück oft die Hälfte. Das lohnt sich schon ab 30 Stück.
- Das Produkt tauschen. Nicht jede schöne Idee ist ein gutes Marktprodukt. Wenn sich etwas selbst bei ehrlicher Rechnung nicht trägt, bastel es für Freunde und nimm etwas anderes mit zum Markt. Welche Produkte sich lohnen, steht in Was verkauft sich wirklich auf dem Weihnachtsmarkt?
Die Rechnung einmal aufsetzen, dann nie wieder
Die Rechnung klingt nach viel, du musst sie aber nur einmal pro Produkt machen. Danach weißt du für jedes Teil auf deinem Tisch, was es dir bringt.
Wenn du dafür nicht selbst eine Tabelle bauen willst: Im Basar-Starter-Kit steckt ein fertiger Preiskalkulator für Google Sheets, in den du deine Zahlen einträgst.